Was ist Tantra?
Die Haltung von Wertschätzung und Verbindung, Achtsamkeit und Authentischsein -
Ein Ja zu mir selbst, der Sexualität und dem Leben.
Mehr zum Hören im Podcast
Auf dieser Seite könnt ihr lesen, was (für mich) Tantra ist. Weitere Gedanken dazu könnt ihr euch anhören in meinem Podcast in der Bonusfolge "Was ist Tantra?".

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Tantra - mehr als Massage
Mehr als Massage und Sex
Wie Tantra gleichzeitig viel mehr und viel weniger als Massage und Sex sein kann.
Ich praktiziere Tantra jetzt seit einiger Zeit und erlerne die Tantramassage auf Seminaren. Tantra ist aber viel mehr als nur Massage. Es ist ein Weg der Befreiung, Lebendigkeit und Liebe. Eine jahrtausendealte Tradition mit einem sehr ganzheitlichen Ansatz. Im Gegensatz zu den Religionen wird der Körper nicht als feindlich angesehen, sondern als ein Tempel, der erleuchtet werden soll. Es wird nicht Askese gepredigt, sondern Genuss darf stattfinden. Und die Sexualität, die auch im Yoga eher überwunden werden soll, wird als eine wertvolle Lebensenergie geschätzt. Das Weibliche (Shakti) wird im Tantra nicht geringgeschätzt, sondern verehrt.
Das Tolle beim Tantra ist, dass man mit allem willkommen ist, was da ist und alles mitbringen darf. Seine Nervosität genauso wie Gefühle, die dabei vielleicht ausgelöst werden, zum Beispiel auch Lachen, Weinen, Lust, keine Lust. Es ist alles okay und darf alles da sein. Auch jeder Körper ist willkommen, mit Füßen, Speckröllchen und allem drum und dran.
Tantra wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf Sex reduziert. Mit Sexualität beschäftigen sich aber nur etwa 10% der tantrischen Lehre. Und sie ist im Tantra viel mehr als nur physische Triebbefriedigung. Es geht um Kommunikation, Konsens und um die liebevolle Verbindung auf Herzensebene, mit sich selbst und mit dem Partner. Intimität ist dabei absichtslos, nicht zielorientiert. Statt auf Performancedruck und der Jagd nach dem Orgasmus liegt der Fokus auf dem Sein und dem Loslassen. Auf entspanntem, bewusstem, achtsamem Genuss im hier und jetzt. Dadurch eröffnen sich ganz neue Räume und Möglichkeiten.
Tantrische Verbindung
Wie Tantra tiefe emotionale Verbindungen schafft und persönliche Entwicklung fördert.
Tantra - der aus der alten indischen Sprache Sanskrit stammender Begriff, bedeutet übersetzt "Verweben" oder "Verbinden". Hierin liegt die Essenz der tantrischen Praxis, die ein immer wieder erstaunliches, tiefes Gefühl des Miteinander-Verwobenseins erzeugt. Dies erfahren zu dürfen hat mich persönlich tief berührt.
Das Besondere an tantrischen Verbindungen ist ihre Intensität und Tiefe. Sie eröffnen die Möglichkeit, mit jemandem, den man gerade erst kennengelernt hat, auf einer tiefen, emotionalen Ebene in Kontakt zu treten. Diese Begegnungen können überraschend intensiv sein und ein Gefühl von Nähe und Verständnis schaffen, das weit über das hinausgeht, was wir im Alltag erleben. In diesen Momenten spüren wir eine tiefe Verbundenheit, die unsere Herzen öffnet und uns erlaubt, uns selbst und den anderen in seiner ganzen Authentizität wahrzunehmen.
Dies wird möglich durch den geschützten Rahmen, in dem solche Verbindungen stattfinden. Auf einem Tantra-Abend gibt es feste Regeln und nichts passiert ohne echten Konsens. Der Raum wird gehalten und zu einem safe space, in dem man sich öffnen und vertrauensvoll fallen lassen darf, wenn man das möchte.
Tantrische Verbindungen lösen sich auch nach der Praxis wieder. Je nachdem, wie intensiv sie waren, dauert das Minuten, Stunden oder Tage. Und doch hinterlassen sie einen bleibenden Eindruck und oft können wir daraus wertvolle Einsichten gewinnen. Nicht selten sehen wir dabei unsere Bedürfnisse, Grenzen, Muster und Trigger wie unter einem Brennglas. Tantra lehrt uns, diese flüchtigen, aber bedeutsamen Momente zu schätzen und als wertvollen Teil unserer persönlichen Entwicklung zu sehen.
Tantrische Wertschätzung
Wie Tantra Akzeptanz, Selbstliebe und Freude an der Vielfalt des Lebens fördert.
Tantra ist eine Praxis, die sich durch eine bemerkenswerte Offenheit und Akzeptanz auszeichnet. Einer der faszinierendsten Aspekte dabei ist, dass wir genauso willkommen sind, wie wir sind. Und nicht nur das. Auch alles, was wir mitbringen – unsere Emotionen, Körperlichkeiten und unsere Unsicherheiten – sie alle sind eingeladen und dürfen da sein. In einem tantrischen Raum gibt es kein Richtig oder Falsch in Bezug auf unsere Gefühle und Bedürfnisse.
Dies ermöglicht es, sich selbst und andere ohne Bewertung zu erleben, mit einer Art kindlicher Neugier, die die Welt liebevoll und ohne Vorurteile entdeckt.
In diesem Raum ist es normal, zu lachen, zu weinen, Lust zu empfinden oder keine Lust zu empfinden. Jeder Gefühlsausdruck wird als ein authentischer Teil des menschlichen Erlebens geschätzt. Ebenso wird jeder Körpertyp, mit all seinen Besonderheiten, von Füßen bis zu Speckröllchen, angenommen und verehrt. Die tantrische Haltung fördert Selbstliebe und Respekt gegenüber der Unterschiedlichkeit der Menschen. Sie lehrt uns, uns selbst und die Welt mit einem liebevollen Blick zu betrachten, der nicht abwertet, sondern uns echte Freude über die Vielfalt des Lebens schenkt.
Tantra und Sexualität
Die Bedeutung von Konsens
Wie Konsens Sicherheit, Vertrauen und Verbindung schafft.
Konsens bedeutet, dass alle beteiligten Parteien freiwillig und einvernehmlich in eine Erfahrung einwilligen. Im tantrischen Kontext geht es darum, dass jede Handlung, etwa bei Massagen, Übungen oder in intimen Begegnungen, auf gegenseitiger Zustimmung und Respekt basiert.
Warum ist Konsens so wichtig im Tantra? Zunächst einmal schafft er einen Raum der Sicherheit und des Vertrauens. In einer Umgebung, in der Konsens geachtet wird, können wir uns öffnen, unsere Wahrheit teilen und uns in unserer Verletzlichkeit zeigen, ohne Angst vor Abwertung, Missbrauch oder Übergriffen.
Darüber hinaus fördert Konsens die Verbindung. Wenn wir sicher sind, dass unsere Grenzen respektiert werden, können wir uns vollständig auf den Moment einlassen und die spirituelle oder sinnliche Erfahrung intensiver genießen.
Um überhaupt zu wissen, was wir wollen und so Konsens geben zu können, ist es unerlässlich in uns hineinzufühlen, unsere Bedürfnisse und Grenzen zu erspüren und diese zu kommunizieren. Das lernen und üben wir in tantrischen Konsensübungen, ebenso wie das aufmerksame Zuhören und empathische Spüren, um sicherzustellen, dass der Konsens während der gesamten Interaktion aufrechterhalten wird.
Die Erfahrung von bewusst gelebtem Konsens erstreckt sich über die tantrische Praxis hinaus und lehrt uns, wie wir respektvoll und achtsam handeln und dies in unser tägliches Leben integrieren können.
Die sexuelle Energie
Wie Tantra sexuelle Energie als Lebens- und Schöpfungskraft nutzt
Im Tantra hat die sexuelle Energie eine besondere Bedeutung. Sie wird als eine Quelle von Lebensenergie und kreativer, schöpferischer Kraft angesehen. Das Ausbalancieren und Harmonisieren der sexuellen Energie im Körper gilt als Schlüssel für Gesundheit und Wohlbefinden.
Es geht im Tantra daher nicht um das Unterdrücken von Begierde, aber um ihre bewusste Lenkung. Wir können sie nutzen, anstatt von ihr beherrscht zu werden.
Im Sanskrit wird die sexuelle Energie als "Kundalini" bezeichnet. Sie liegt im Menschen ruhend am unteren Ende der Wirbelsäule und kann durch tantrische Praktiken gelenkt werden. Wenn wir sie erwecken, können wir sie durch die “Chakren”, die verschiedenen Energiezentren im Körper, aufsteigen lassen und im gesamten Organismus verteilen.
Dies tun wir zum Beispiel bei einer tantrischen sexuellen Vereinigung. Die sexuelle Energie ist aber keineswegs nur auf sexuelle Aktivitäten beschränkt. Wir können sie kanalisieren in verschiedenen Praktiken wie Meditation, Atemarbeit und Yoga. Wir betrachten sie als ganzheitlich Kraft, die Körper, Geist und Seele verbindet.
Slow Sex
Wie Sinnlichkeit und bewusste Intimität den intensiveren Genuss fördern.
Slow Sex ist eine sinnliche Praxis aus dem Tantra, die auf bewusster Intimität und Entschleunigung in der Intimität basiert. Im Gegensatz zu hektischem Sex, bei dem der Fokus oft auf dem Höhepunkt liegt, konzentriert sich Slow Sex darauf, bewusst zu spüren und jeden Moment zu genießen.
Statt direkt zur Penetration überzugehen, nehmen wir uns die Zeit, sanft gegenseitig jeden Zentimeter der wundervollen Körper zu erkunden. Haut spüren, erogene Zonen erforschen, experimentieren mit unterschiedlichem Druck und verschiedenen Berührungsqualitäten. Streicheln, Lecken, Küssen und die Fingernägel einsetzen. Das kann schonmal ein paar Stunden dauern und höchsten Genuss bringen.
Der Fokus liegt auf der sinnlichen Erfahrung und der bewussten Wahrnehmung der Empfindungen und der Ekstase im Moment. Wir zielen nicht auf den Höhepunkt ab, sondern auf den Genuss des gesamten Liebesakts. Wir spüren bewusst hinein in den Fluss der sexuellen Energie. Dabei gibt es keinen Plan für die Zukunft, noch nicht einmal bis zum nächsten Augenblick. Insbesondere arbeiten wir nicht auf einen zukünftigen Orgasmus hin. Wenn Orgasmen aber kommen, sind sie herzlich eingeladen und meist viel intensiver, als bei hektischem Sex.
Slow Sex ist dabei frei von Erwartungen und Druck. Durch die Tabuisierung von Kommunikation über Sex und Gefühle, sind sexuelle Begegnungen normallerweise oft geprägt von einer Vielzahl unausgesprochener Erwartungen, beispielsweise dass Männer immer im richtigen Moment eine Erektion haben müssen. Im Slow Sex gibt es ganz selbstverständlich Phasen, in denen der Penis nicht steif ist. Dies verhindert aber nicht die Penetration, die auch ohne Erektion stattfinden kann und schon gar nicht den sinnlichen Genuss.
Tantra in Beziehung
Die Kunst der Kommunikation
Wie Tantra durch offene Kommunikation authentische Beziehung ermöglicht.
Im Tantra erforschen wir die Kunst der Kommunikation, basierend auf den Prinzipien der Offenheit, Ehrlichkeit, Authentizität und Achtsamkeit.
Die Offenheit lädt uns ein, einander ohne Vorbehalte zu begegnen und bereit zu sein, uns berührbar und verletzlich zu machen. Ehrlichkeit und Authentizität ermutigen uns, wahrhaftig zu sein und unsere Worte und Handlungen in Übereinstimmung mit unseren inneren Überzeugungen und Werten zu bringen. Uns so zu zeigen, wie wir sind, Masken und Fassaden abzulegen. Unsere Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse zu teilen, aber auch unsere Unsicherheiten und Schatten.
In einer wohlwollenden Atmosphäre der Wertschätzung und Achtsamkeit können wir dies tun, ohne Abwertung und Ablehnung fürchten zu müssen. So wird ein Raum geschaffen, in dem Vertrautheit und tiefe Verbindung entstehen können.
Das Halschakra, das im Bereich des Halses und des Kehlkopfes liegt, ist das energetische Zentrum dieser Prinzipien. Es symbolisiert die Bedeutung der Klarheit und Reinheit in unserer Kommunikation und steht für eine Kultur des Wahrsprechens im Tantra.
Für mich persönlich war die Inspiration aus der tantrischen Praxis und von den Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe, ein Wendepunkt in meiner Kommunikation. Ich habe gelernt offener, ehrlicher, authentischer auszusprechen, was mich wirklich bewegt und dabei achtsamer zu kommunizieren. Dies hat die Beziehungen zu einigen Freunden und Familienmitgliedern auf eine ganz neue Ebene gehoben.
Verantwortung für die eigene Lust
Wie Selbstverantwortung Erfüllung in Beziehung schafft.
Im Tantra liegt ein besonderer Fokus auf der Verantwortung für die eigene Lust und dem Verständnis, dass jeder Einzelne für sein eigenes Glück und seine sexuelle Erfüllung verantwortlich ist.
Im herkömmlichen Denken über Beziehungen und Intimität neigen wir oft dazu, die Verantwortung für unser Glück und unsere sexuelle Befriedigung auf unseren Partner zu übertragen. Wir erwarten, dass der andere uns komplettiert und für unsere Freude verantwortlich ist. Im Tantra erkennen wir jedoch, dass diese Erwartung nicht nur unrealistisch, sondern auch eine Belastung für die Beziehung sein kann.
Die tantrische Sichtweise lehrt uns, dass jeder Mensch seine eigene Quelle der Lust und des Glücks ist. Dies ermutigt uns, die eigenen Wünsche und Vorlieben, aber auch unsere zu erforschen und zu kommunizieren. Wenn unsere Mitmenschen uns ihre Bedürfnisse und Grenzen kommunizieren, reagieren wir im Tantra nicht gekränkt oder verletzt, sondern dankbar. So können wir uns darauf verlassen, dass auch unser Gegenüber eigenverantwortlich seine Grenzen wart.
Gleichzeitig lehrt uns das Tantra auch Dankbarkeit für unseren eigenen Körper. Wenn ein Partner uns schöne Gefühle wie Lust schenkt, sollten wir uns bewusst sein, dass unser Körper derjenige ist, der uns diese Freuden ermöglicht. Unser Partner ist lediglich der Auslöser, der die Lust in uns weckt.
Dieser Perspektivwechsel hat nicht zur Folge, dass wir uns von unseren Partnern distanzieren, sondern im Gegenteil, er stärkt unsere Verbindung. Indem wir uns selbst besser verstehen und für unsere eigenen Bedürfnisse sorgen, können wir auch in unserer Partnerschaft eine tiefere und erfüllendere Intimität erleben.
Tantra für Paare
Wie Tantra Paaren hilft, Intimität und sexuelle Verbundenheit in ihrer Beziehung wiederzubeleben und zu vertiefen.
In unserer modernen, oft hektischen Welt leidet die Intimität in unseren langjährigen Beziehungen häufig unter einem enormen Alltagsstress. Tantra bietet Paaren eine Möglichkeit, ihr Feuer neu zu entfachen und die Liebe und Leidenschaft wiederzubeleben.
Ein zentraler Aspekt ist dabei das Erlernen von Achtsamkeit. Durch gezielte Übungen lernen wir, uns voll und ganz aufeinander einzulassen. Tantrische Praktiken eröffnen Wege, um die Sensitivität füreinander zu erhöhen. Die Kommunikation kann dadurch auf eine intimere Ebene gebracht werden. Indem wir lernen, unsere Gefühle und Bedürfnisse offen auszudrücken, entsteht ein stärkeres Verständnis und Vertrauen ineinander.
Tantra ermutigt auch zur Entdeckung und Akzeptanz und des eigenen Selbst. Die Stärkung jedes Einzelnen stärkt wiederum seine partnerschaftlichen Beziehungen. Und durch die Praxis der gegenseitigen Verehrung lernen wir, einander als heilige und wertvolle Wesen wahrzunehmen. So entwickeln wir eine neuen Blick auf den jeweils anderen voll Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit.
Tantra bietet auch neue Perspektiven auf unsere Sexualität. Es geht nicht nur um körperliche Befriedigung, sondern um die Erfahrung von Intimität und Verbundenheit. Durch tantrische Techniken können Paare ihre sexuelle Energie in Fluss bringen. Dies führt oft zu einer intensiveren und erfüllenderen sexuellen Beziehung.
Außerdem kann Tantra dabei helfen, alte Muster und Blockaden in der Beziehung zu identifizieren und aufzulösen. Durch das gemeinsame Erforschen neuer Gefilde in einem sicheren Rahmen können wir uns auf persönlicher und partnerschaftlicher Ebene weiterentwickeln. Nicht selten empfinden Menschen beim Tantra auch ein Gefühl von Heilung, zum Beispiel in Bezug auf sexuelle Traumata. Auch dies kann sich enorm förderlich auf das Sexualleben in der Beziehung auswirken.
Die Wurzeln des Tantra
Farbenlehre - Weißes, rotes und schwarzes Tantra
Was die Farben im Tantra symbolisieren und welche Praktiken heute verpönt sind.
Im Tantra haben Farben eine symbolische Bedeutung, die unterschiedliche Aspekte der Praxis repräsentiert. Weiß, Rot und Schwarz stehen jeweils für verschiedene Wege und Erfahrungen innerhalb dieser spirituellen Tradition.
Weißes Tantra symbolisiert Reinheit, spirituelle Erleuchtung und geistige Heilung. Es ist der Pfad der Meditation und des inneren Wachstums. In dieser Praxis steht die individuelle spirituelle Entwicklung im Mittelpunkt, um das Bewusstsein zu erweitern und eine Verbindung mit dem Göttlichen zu schaffen. Typische Praktiken sind lange Meditationssitzungen, das Singen von Mantren und spezifische Yoga-Praktiken.
Rotes Tantra hingegen konzentriert sich auch auf die körperliche und sinnliche Dimension der Spiritualität. Hier wird die sexuelle Energie als ein wesentlicher Aspekt für die spirituelle Erleuchtung angesehen. Auch körperliche Intimität und sexuelle Praktiken werden genutzt, um das Bewusstsein zu erweitern und eine tiefere Verbindung zwischen Partnern herzustellen. Typische Praktiken sind Partnerübungen, teilweise auch sexuelle Rituale und die bewusste Nutzung sexueller Energie zur Erweiterung des Bewusstseins.
Schwarzes Tantra ist der komplexeste und oft missverstandene Teil. Es befasst sich mit den dunkleren Aspekten der menschlichen Existenz. Es ist ein Pfad, der bestrebt, sich auch den Schattenaspekten des Selbst zu stellen, um dadurch eine tiefere Form der Erleuchtung zu erreichen. Gleichzeitig beschäftigt sich dieser Zweig des traditionellen Tantra auch mit schwarzer Magie, Flüchen, Zwang und Energiearbeit, die Menschen schadet, sie krank macht oder sogar tötet. Diese Techniken werden heute abgelehnt und haben etwa auch dazu geführt, dass in Indien Tantra heute teilweise verpönt ist.
Wenn heute von “Tantra” die Rede ist, ist meist rotes Tantra gemeint. Allerdings gibt es im modernen Wortsinn häufig eine Neuinterpretation des Begriffs “rotes Tantra”. Dieser wird neuerdings teilweise gleichgesetzt mit unseriösen Angeboten, die auf Geschlechtsverkehr abzielen. Um sich von Prostitution, Schmuddel-Image und Erotikmassagen abzugrenzen, sprechen Tantramasseure oder Anbieter von Massageworkshops häufig fälschlicherweise davon, dass sie weißes Tantra praktizieren, obwohl die Tantramassage als ein den Körper einbeziehendes Ritual eigentlich dem roten Tantra zuzuordnen ist.
Shiva und Shakti
Wie das Gleichgewicht zwischen Shiva und Shakti zu einem harmonischen Leben führt.
Shiva und Shakti, zentrale Figuren im Tantra, symbolisieren die Vereinigung von männlicher und weiblicher Energie, die in jedem von uns existiert, unabhängig von unserem biologischen Geschlecht. Diese Konzepte stehen für die grundlegenden Polaritäten des Universums und des menschlichen Erlebens.
Shiva repräsentiert das männliche Prinzip, oft assoziiert mit Bewusstsein, Passivität und Stille. Er ist das unbewegte, beruhigende Element, das Struktur und Stabilität bietet. Shakti hingegen verkörpert das weibliche Prinzip, das mit Energie, Dynamik und Bewegung verbunden wird. Sie ist die treibende Kraft des Lebens, die Kreativität und Veränderung bringt.
In der tantrischen Philosophie sind Shiva und Shakti untrennbar miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig. Ihre Vereinigung symbolisiert das Gleichgewicht und die Harmonie der Gegensätze, die im Universum und in jedem Individuum existieren. Die Idee ist, dass sowohl männliche als auch weibliche Energien in uns allen vorhanden sind und dass das spirituelle Wachstum durch das Ausbalancieren und Integrieren dieser Energien gefördert wird.
Diese Lehre hat weitreichende Implikationen für unser tägliches Leben und unsere Beziehungen. Indem wir lernen, die männlichen und weiblichen Aspekte in uns selbst zu erkennen und zu ehren, können wir ein tiefes Verständnis für uns selbst und für die Art und Weise, wie wir mit anderen interagieren, entwickeln. Es geht darum, diese Polaritäten nicht als Gegensätze zu sehen, sondern als komplementäre Kräfte, die zusammenwirken, um ein ganzheitliches, ausgeglichenes und erfülltes Leben zu schaffen.
Die Geschichte des Tantra
Die faszinierende Geschichte des Tantra, von den vedischen Wurzeln bis zur Neo-Tantra-Bewegung.
Die Geschichte des Tantra reicht weit zurück in die Antike. Die Ursprünge sind schwer zu datieren. Die Wurzeln des tantrischen Denkens lassen sich jedoch bis zu den vedischen Schriften im alten Indien zurückverfolgen, die vor mehr als 3.000 Jahren entstanden. In den vedischen Kulturen finden sich bereits Ansätze zur Verehrung weiblicher Gottheiten und zur Erforschung spiritueller Energie.
Ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. entwickelten sich innerhalb des Hinduismus – insbesondere im Śivaismus, der den Gott Śiva als Verkörperung des Bewusstseins verehrt – und später auch im Buddhismus tantrische Praktiken weiter und wurden Teil dieser religiösen Bewegungen. Im Mittelalter erlebte Tantra eine Blütezeit in Indien, besonders im Kashmir-Śivaismus, und breitete sich auch nach Tibet, Nepal und anderen asiatischen Regionen aus. In dieser Zeit entstanden zahlreiche tantrische Schriften, Rituale und Schulen, die die Vielfalt und Komplexität des tantrischen Denkens widerspiegelten.
Tantra war traditionell eine Geheimlehre, in der das Wissen von Lehrer zu Schüler über die Generationen weitergegeben wurde in mündlicher Überlieferung und praktischen Ritualen. Im 20. Jahrhundert begann Tantra auch im Westen Interesse zu wecken. Im Zuge der Entdeckung östlicher Weisheitstraditionen formte sich das sogenannte Neo-Tantra, das vor allem auf Osho zurückgeht und einen stärkeren Fokus auf die Sexualität legt als die traditionelle Lehre. Heute beschreibt der Begriff “Tantra” ein vielfältiges und lebendiges Feld, das sich neben dem traditionellen Tantra auf verschiedene Traditionen wie Yoga, Schamanismus, und die taoistische Sexuallehre bezieht, aber auch moderne Praktiken wie die Tantramassage umfasst.